Kinderinitiative in Bad Orb e.V.
Kinderinitiative in Bad Orb e.V.

  Mehrgenerationenhaus Bad Orb

Die Idee der Schaffung eines Mehrgenerationenhaus in Bad Orb geht auf die lebendige Auseinandersetzung um die Frage der sozialen Stärken und Schwächen der Kommune Bad Orb im Rahmen des Stadtleitbildprozess zurück.

In AG 3 „Gesundheit, Soziales, Familien und Kinder, Jugend, Senioren“ wurde das Fehlen eines Mehrgenerationenhaus als eine der „Hauptschwächen“ im Bereich „Soziales“ festgestellt. Zahlreiche inhaltliche Nennungen in den Stadtleitbildbereichen Soziales, Familien und Kinder, Jugend, Senioren, Bildung, Integration, Bürgerschaftliches Engagement und Prävention stützen diese Feststellung und weisen darauf hin, dass mit der Schaffung eines „Mehrgenerationenhaus“ Fehlstellen im kommunalen Leben der Stadt Bad Orb wirksam bearbeitet werden können.

 

Im Bereich „Jugend“ wurde als Arbeitsgruppenziel J2 „ein Jugendzentrum mit Betreuung“ benannt, im Bereich „ Senioren wurden die Ziele SE2: „Betreuungsangebote für Seniorinnen und Senioren“ benannt sowie SE3 „Seniorinnen und Senioren in die Kinder- und Jugendarbeit integrieren“. Als eine Hauptschwäche wurde festgehalten: „Dialog der Generationen fehlt oft“. Im Bereich „Bürgerschaftliches Engagement“ wird der Ausbau der Freiwilligenagentur als Ziel genannt; im Bereich Bildung wird das Fehlen von Räumen für Bildungsangebote (B1) beklagt etc. etc.

 

In allen genannten Feldern: „Kinder, Jugendliche, Familien und Senioren“ ist die Kinderinitiative bzw. das „Familienzentrum in der Kinderinitiative“ tätig und verfügt bei allerdings geringer Mittel – und Personalausstattung und knappen räumlichen Ressourcen über Expertise und Erfahrung. (Als eine hoch bewertete „Hauptstärke“ Soziales wurde das Angebot der Kinderinitiative in Bad Orb e. V. „für Kinder und Familien“ genannt.).

Gemäß Stadtleitbildprozess soll insbesondere dem Engagement des Familienzentrum eine größere Rolle zukommen. Ziel F2 im Bereich „Familie und Kinder“ lautet: „das Familienzentrum der Kinderinitiative als Knotenpunkt zwischen Bürgerinnen und Bürgern, Familien, Stadt, sozialen Diensten, Institutionen ausbauen.“

 

Insofern erscheint es als folgerichtig, dass als Ergebnis des Stadtleitbildprozess

37 Schlüsselprojekte zur Umsetzung herausgearbeitet wurden, darunter das

Projekt 25: „Ein Mehrgenerationenhaus schaffen und das vorhandene Familienzentrum besser bekannt machen und ausbauen/fördern“, für das die Geschäftsführung der Kinderinitiative als „Pate“ benannt wurde.

 

Aufgrund der konzeptionellen und inhaltlichen Nähe eines „Mehrgenerationenhaus“ mit den Angeboten des Familienzentrum sowie denen der Kinderinitiative, schlagen wir die Neuerrichtung eines „Mehrgenerationenhaus“ unter  der Trägerschaft der Kinderinitiative am Standort Bahnhofstraße 3 vor.

 

Mit einem neu zu errichtenden Gebäude können bei entsprechender Personalausstattung drei wesentliche Ziele des Stadtleitbildprozess verwirklicht werden

  • die Schaffung eines Mehrgenerationenhaus mit entsprechenden Angeboten
  • der Ausbau des Familienzentrum
  • die Bereitstellung eines Jugendraums mit Betreuung

 

Gemeinsam mit der zuführenden Außenanlage in ansprechender Gestaltung kann Bad Orb ein soziales Zentrum erhalten, das den Standortfaktor Lebensqualität erheblich zu steigern 

Mehrgenerationenhaus Bad Orb Konzeption (Entwurf)

Einleitung

Der demographische Wandel sowie die Effekte von Individualisierung und Globalisierung haben im Ergebnis zu tiefgreifenden sozialen Veränderungen geführt, die Sozialpolitik und Soziale Arbeit vor neue Herausforderungen stellen, in deren Mittelpunkt die „Neujustierung der sozialen Infrastruktur  (...) und die Stärkung des generationalen und sozialen Zusammenhalts“ (ISS 2016:III) stehen.

 

Auf die Errosionsprozesse tradierter Milieus und sozialer Bindekräfte, die in den gesellschaftlichen Strukturen des 20 Jahrhunderts fest verankert waren, hat die Politik mit einem neuen Management des Sozialen reagiert.

Insbesondere die Aktivierung ehrenamtlichen Engagements sowie die Schaffung neuer sozialer Räume der Begegnung, Beratung und Bildung aus denen heraus Gemeinsinn generiert werden kann, sind hier hervorzuheben.

Unter letztgenanntem sind vor allem Stadtteil- und Familienzentren sowie Mehrgenerationenhäuser zu verstehen.

Während Familienzentren mit ihren Angeboten vor allem auf die Unterstützung familiarer Kontexte zielen, haben Mehrgenerationenhäuser – dem Namen folgend – primär den Zusammenhalt der Generationen zum Ziel.

 

Das Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e. V. definiert Mehrgenerationenhäuser in einem ersten Zugang wie folgt:

„Mehrgenerationenhäuser sind Orte, die sich durch einen niedrigschwelligen Zugang und durch ein breitgefächertes Angebot für alle Altersgruppen auszeichnen. Es sind Einrichtungen, die das Miteinander der Generationen und die gegenseitige Unterstützung leben und Menschen – jeden Alters, Geschlechts, jeder sozialen Lage (und Kultur Einf. d.V.) – offen stehen.“ (ebd.)

Bereits in dieser Definition zeigt sich die über die Frage der Intergenerationalität hinausweisende Bedeutung von Mehrgenerationenhäusern als einem Ort an dem nicht nur Räume, Ressourcen und Kompetenzen angeboten werden, sondern der zudem Anlaufstelle für Unterstützung, Integration, Beteiligung und bürgerschaftliches Engagement sein soll.

Ein Ort der Vernetzung zugleich, an dem Gemeinschaft entsteht – zwischen Alt und Jung, Alteingesessen und Neuzugezogen, über alle sprachlichen und kulturellen Grenzen hinweg.

Ein Mehrgenerationenhaus kann darüber hinaus die Anforderungen erfüllen, die an die Neuausrichtung und das Verständnis von Gesundheitsförderung gefordert werden. Prävention und Gesundheitsförderung soll lt. dem im Jahre 2015 verabschiedeten Präventionsgesetz (PrävG) dort greifen, wo Menschen leben, lernen und arbeiten.

Dabei spielen Mitwirkung (Partizipation) von Bürgerinnen und Bürgern eine zentrale Rolle. Der Begriff „Partizipation“ meint hier mehr als das „Dabei-Sein“. Partizipation umfasst die aktive Teilhabe und die Möglichkeit, Entscheidungen und deren Umsetzung zu beeinflussen.  Personen und Gruppen werden als Expertinnen ihrer Lebenslage und Lebenswelt verstanden und deren Erfahrungen und Kompetenzen aktiv eingebunden. Dies stellt sicher, dass bei der Planung und 

Umsetzung von Angeboten immer auch die Perspektive der Betroffenen berücksichtigt wird. Gleichzeitig erhöht dies die Chance auf bedarfsgerechte Maßnahmen.

Ein Mehrgenerationenhaus bietet hierfür die personelle und räumliche Struktur, in der professionell begleitete wie  selbstorganisierte Netzwerke jeglicher Art entstehen können.

 

Grundlage der vorliegenden Konzeption sind die Bedarfe im Sozialraum, die lokalen Gegebenheiten und vorhandenen Strukturen. So muss ein Mehrgenerationenhaus Bad Orb nicht anbieten, was im „Familienzentrum in der Kinderinitiative“ bereits angeboten wird; wohl aber können hier Synergieeffekte als Folge eines kooperativen Zusammenwirkens erzielt werden, das insgesamt das Zusammenspiel des Mehrgenerationenhaus mit allen Akteuren vor Ort bestimmen soll.

Das Mehrgenerationenhaus Bad Orb soll den Dialog fördern, nah dran an den Menschen in ihrer Umgebung sein, die Bürgerbeteiligung und damit den Zusammenhalt der Menschen vor Ort stärken.

 

Die Ziele des Mehrgenerationenhaus Bad Orb sind:

- die Stärkung von gesellschaftlicher Teilhabe und Engagement im Sozialraum Bad Orb, (generationsverbindend, kulturübergreifend und inklusiv).

- ein Zugewinn an sozialen Kontakten,

- die Förderung dauerhafter, familienergänzender sozialer Beziehungen,

- die Ermöglichung wechselseitiger Hilfen im Vorfeld von professioneller Hilfe,

- die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund und Fluchtgeschichte

- die Organisation von Informationsveranstaltungen; Treffen und Kursen, die das Engagement der Bürgerinnen und Bürger stärken.

 

- Bildungsangebote, die auch ältere Menschen zu ehrenamtlichen, politischen oder sportlichen Aktivitäten ermutigen.

 

Der nachstehende Entwurf einer Konzeption berücksichtigt die besondere Prägung der Stadt Bad Orb mit einer langen Tradition als Gesundheitsstandort sowie die räumliche Zusammenfassung von Mehrgenerationenhaus und „Jugendzentrum“.

 

Wir schlagen folgende fünf Leitlinien für das Mehrgenerationenhaus Bad Orb vor:

 

Leitlinie 1: Gemeinsinn stärken – Generationen verbinden

Leitlinie 2: Demographischer Wandel und Gesundheit

Leitlinie 3: Bewältigung von Übergängen

Leitlinie 4: Der Jugend Raum geben

Leitlinie 5: Integration stärken

Leitlinie 1: Gemeinsinn stärken – Generationen verbinden

Die Entwicklungen der letzten Dekaden weisen einen Zuwachs an Individualisierung auf (siehe auch Einführung), der zu einem Verlust an Gemeinsinn geführt hat.

 

Herkömmliche Formen des überindividuellen, kollektiven Zusammenwirkens (z.B. Vereine), die mit ihrem Zusammenhandeln Gemeinsinn hervorbrachten und damit „das Soziale“ der Gesellschaft beförderten, verzeichnen mangelndes Interesse und  Mitgliederschwund und stehen insgesamt erheblich unter Druck.

 

Zugleich verändert sich die Familienform (Auflösung der Großfamilie, Patchworkfamilien, Alleinerziehende, Versingelung,) in einer Weise, die im Ergebnis eine Reduktion der sozialen Bindekräfte mit sich bringt und einen Zuwachs an professionellen Hilfesystemen anstelle familiaren Gemeinhandelns erfordert.

Die Vervielfältigung individueller Selbstgestaltungsmöglichkeiten, die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes und die damit einhergehende Aufforderung zu einer „karriere“-bezogenen Perspektive auf die eigene Biographie, das eigene Leben, hat zudem zu einer strukturellen Verknappung der freien Zeit geführt, die das Engagement in der und für die Gesellschaft deutlich reduziert hat.

 

Die skizzierten Entwicklungen parallelisieren sich mit einem allgemein wirksamen demographischen Wandel, der insbesondere in Bad Orb (als einem beliebten Ort für den „Lebensabend“) seinen Niederschlag findet.. In der Altersgruppe Ü 65 – mehr als ein Drittel an Bürgerinnen und Bürgern - ist die Zahl der Alleinstehenden ohne soziales Netz (und ohne Anbindung an andere Generationen) besonders hoch und weist auf einen generellen Bedarf zur Schaffung von Orten des intergenerationellen Austausch hin.

 

Ein Mehrgenerationenhaus bietet diese Möglichkeit..

Als ein zentraler Baustein ist hier die Förderung generationenübergreifender Begegnung verankert.

Das Miteinander der Generationen kann in verschiedenen Angebotsformaten realisiert werden, etwa die intergenerationelle Zusammenarbeit beim Übergang von der Schule in den Beruf oder beim Übergang vom Berufsleben in den Ruhestand in Kontakt. Ältere und Jüngere können hier bei  der Gestaltung neuer Lebensabschnitte in einen wertvollen Erfahrungsaustausch treten, das soziale Miteinender, den Gemeinsinn fördern und vor allem erleben. 

Leitlinie 2: Demographischer Wandel und Gesundheit

 

Vor allem zwei große Entwicklungen bestimmten das Gesundheits- und Versorgungsgeschehen in Deutschland derzeit wesentlich:

  • der demographische Wandel
  • die soziale Lagen und deren starker Einfluss auf die Gesundheit

 

Insbesondere der demografische Wandel in Deutschland wird nach übereinstimmender Meinung das Gesundheits- und Krankheitsgeschehen in der Bevölkerung langfristig verändern und die Gesundheitsversorgung vor große Herausforderungen stellen.

Der Gesundheitsstandort Bad Orb mit seinem hohen Anteil an Menschen über 65 Jahre (3031 Personen) ist hier in besonderer Weise gefordert.

Insbesondere für die in dieser Altersgruppe hohe Zahl der Alleinlebenden kann ein Mehrgenerationenhaus ein wertvoller Anlaufpunkt sein.

 

Ebenso wie geringe soziale Kontakte beeinflussen soziale Ungleichheiten die Gesundheit der Menschen.

So differiert z. B. die Lebenserwartung von Angehörigen unterschiedlicher sozialer Schichten erheblich. Ebenso korrelieren die Wahrscheinlichkeiten lange und gesund leben zu können, eine chronische Erkrankungen zu erleiden, Beschwerden oder auch eine Behinderung bewältigen zu müssen mit der sozialen Lage.

Der Gesundheitszustand wird dabei ganz wesentlich von den Lebensbedingungen und dem Gesundheitsverhalten beeinflusst. Präventive Gesundheitsmaßnahmen sollen folgerichtig auch darin bestehen, Benachteiligung und Bildungschancen zu verbessern.

 

Mit zielgruppen- und settingspezifischem Vorgehen können Kommunen im Rahmen von Angeboten eines Mehrgenerationenhauses zum Ausgleich sozialer Ungleichheiten („Jedes Alter zählt“, BMI, Berlin 2015) und zur erfolgreichen Umsetzung des nationalen Gesundheitsziels „Gesund älter werden“ beitragen.

Krankheitsgeschehen und Alterungsprozesse sind beeinflussbar. Dies betrifft auch, aber nicht nur, die medizinische und pflegerische Versorgung älterer Menschen. Ebenso wie ungünstige Umwelt- oder Lebensverhältnisse die Gesundheit von Menschen verschlechtern, wirken günstige Bedingungen gesundheitsförderlich. Erforderlich für eine Gesundheitsförderung sind Konzepte, die an den Lebenswelten der Menschen ansetzen und in die Planung von Angeboten etwa durch Befragungen einbeziehen und so die Teilhabe der Bürger und Bürgerinnen stärken.

Leitlinie 3: Bewältigung von Übergängen

Jeder Mensch durchlebt im Laufe seines Lebens eine Vielzahl von biographischen Übergängen (z. B. Übergang vom Kindergarten in die Schule, von der Schule in die berufliche Ausbildung). Damit diese gelingen und insbesondere Menschen in sozial belasteten Lebenslagen für die Herausforderungen des Lebens gestärkt werden, ist eine positive Gestaltung von Übergängen für alle Beteiligten – für die Einzelnen und

ihr (soziales) Umfeld – entscheidend.

Zur positiven Gestaltung der Übergänge ist es erforderlich, jeweils spezifische Ansätze der Förderung und Unterstützung zu entwickeln und umzusetzen, um zielgruppenspezifisch und bedarfsgerecht deren Bewältigung zu unterstützen.

 

Folgende Übergänge sehen wir dabei als solche an, die potentiell der Begleitung und Unterstützung bedürfen.

Übergänge in Kindheit und Jugend

- Übergang in die Kindertagesbetreuung

- Übergang von der Kindertagesbetreuung in die Grundschule

- Übergang vom Kind zum Jugendlichen / Pubertät / Adoleszenz

- Übergang von der Grundschule in die weiterführende Schule

- Übergang Schule – Beruf /Ausbildung

 

Übergänge der Erwachsenen

 - Übergang zur Elternschaft: Schwangerschaft und Familiengründung

-  Übergang in eine singularisierte Lebensführung (Trennung/Alleinerziehend, Auszug von Kindern

   Verwitwung)

- Übernahme von Pflegetätigkeit

- Übergang in chronische Krankheit

- Übergang aus Kliniken / Versorgungsübergänge zwischen unterschiedlichen

  Versorgungssektoren

-  Übergang in persönliche und soziale Weiterentwicklung (Ehrenamt,

   Großelternschaft)

- Übergang in die Nacherwerbsphase

- Übergang in Hilfe- / Pflegebedürftigkeit

- Übergang in eine neue Wohnform (Betreutes Wohnen, Seniorenheim)

-„Übergang“ am Lebensende (Hospiz, Begleitung der Sterbenden)

 

 

Auch in der Frage der gelingenden Gestaltung von biographischen Übergängen  spielt die Gesundheitsförderung eine wichtige Rolle. Dabei wird Gesundheitsförderung hier nicht als eine alleine vom Gesundheitsbereich zu gestaltende Leistung verstanden.

Vielmehr  bedarf es einer übergreifenden vorsorgenden. kommunalen Gesundheitspolitik, die über das Gesundheitswesen hinaus auf Umwelt-, Bildungs-, Jugend-, Familien-, Senioren- und Stadtentwicklung Einfluss nimmt, wie sie 2013

im Helsinki Statement („Health in all policies“) formuliert ist.

Folgende Kernstrategien stehen dabei zentral:

 

Befähigen – partnerschaftlich mit Individuen und Gruppen zu handeln, um diese in die Lage zu versetzen ihre Gesundheitskompetenz zu stärken und Gesundheitsressourcen zu fördern.

 

Vermitteln und Vertreten – permanente und aktive Kooperation mit allen Akteuren innerhalb und außerhalb des Gesundheitssystems (Kommune, Kindergarten, Schule, Familienzentrum, Seniorenrat u. ä.).

 

Anwaltschaft – Träger treten aktiv für Gesundheit ein; im Sinne der Beeinflussung von politischer, ökonomischer, sozialer, kultureller, biologischer sowie Umwelt- und Verhaltensfaktoren.

 

Ein „Mehrgenerationenhaus Bad Orb“ kann, etwa durch die Unterstützung gesundheitsbezogener Gemeinschaftsaktionen, zur Schaffung gesundheitsförderlicher Lebenswelten beitragen.

Leitlinie 4: Der Jugend Raum geben

 

Die biographische Situation der Altersgruppe 16 – 21 Jahre ist durch eine Bündelung von (z. t. krisenhaften) Übergängen (Schule – Beruf/Studium / Persönlichkeits-entwicklung /Erwachsenwerden) geprägt.

Überaus heterogene persönliche Dispositionen (soziales System, Bildungs- und Ausbildungsstand, Geschlecht, materielle Ausstattung etc.) bilden die Grundlage für eine Suchbewegung, die sowohl das eigene Ich als auch denkbare zukünftige gesellschaftliche Selbstverortungen in den Focus nimmt.

Entlang der Fragestellungen: Wer bin ich, will ich sein? (Dimension Selbst)? Wer bin ich, kann ich sein in dieser Gesellschaft? (Dimension Soziale Welt). Was kann ich, habe ich, um in dieser Gesellschaft zu wirken?, werden in dieser Altersgruppe wesentliche Wertorientierungen der Persönlichkeit gebildet.

Die oft gegebene Spannung zwischen dem Drängen nach soziokultureller Selbstständigkeit einerseits und sozioökonomischer Abhängigkeit andererseits verstärkt naheliegend den Wunsch nach unbedingt freier Assoziation und weist die Aufgabe der in der Jugendarbeit tätigen pädagogischen Fachkräfte als eine der anspruchvollsten Tätigkeiten im Feld aus.

 

Den skizzierten Such- und Selbstfindeprozess produktiv und persönlichkeitsfördernd zu begleiten, ist die Aufgabe von Jugendarbeit, die dabei stets in der Anforderung steht die gegenseitige Deckung zwischen Freiräumen/Freiheit und Verantwortung in die pädagogischen Handlungsmuster einzuweben.

 

Bereits die durch die Fachhochschule Frankfurt, Fachbereich Sozialarbeit, 2001 in Bad Orb durchgeführte Befragung unter jungen Menschen bis 18 Jahre, bei Einbezug von fast 2/3 der Zielgruppe, hat eine überwältigende Mehrheit für die Errichtung eines überkonfessionellen Jugendzentrums oder Jugendraums ergeben.

Dieser Bedarf konnte bis heute nicht  gedeckt werden und sieht sich folgerichtig als Ausfluss des Stadtleitbildprozess erneut auf die Agenda der Politik gestellt.

In der jüngeren Vergangenheit gestartete Versuche ein Jugendangebot auf privater oder halbinstitutioneller Ebene zu realisieren ist vor allem an der Nichteinbindung von Fachkräften gescheitert.

Zurecht trägt das Schlüsselprojekt 27 deshalb den Titel: „Ein Jugendzentrum mit Betreuung anbieten“.

Das Kurzprotokoll des ersten Treffens der Arbeitsgruppe meldet als erstes den Bedarf für einen „Raum für gemeinschaftliche Treffen, Spiele und Events“ an.

Ein solcher Raum kann mit dem Mehrgenerationenhaus Bad Orb geschaffen werden.

Am geplanten Standort und in Trägerschaft der Kinderinitiative kann ein solches Angebot nahtlos an die Jugendarbeit der Kinderinitiative anschließen.

Täglich ab 15.30 Uhr sind die Räume der Kinderinitiative für die Altersgruppe 12 – 15 Jahre geöffnet. Die sich anschließende Altersgruppe 16 – 21 Jahre wird gegenwärtig in einem 2-std. Format Mittwochs von 17.30 Uhr bis 19.30 Uhr betreut.

Diese Angebot soll im Rahmen „Projekt Jugendzentrum“ deutlich ausgeweitet werden. Kalkulativ sind derzeit vier Öffnungszeiten pro Woche mit Fachkräftebetreuung angedacht.

 

Auf dieser Grundlage ist ein Angebot „Projekt Jugendzentrum“ unter Trägerschaft der Kinderinitiative bei entsprechender Personalausstattung realisierbar. Die konkreten Angebote und deren Ausgestaltung sind in einem partizipativen Prozess zu ermitteln

Leitlinie 5: Integration stärken

Bereits in der Vergangenheit hat – beginnend in den 50er Jahren – die Arbeitsmigration, aber auch der Zuzug aus ehemaligen sowjetischen Staaten nach Deutschland und die EU-Erweiterung eine neue Zusammensetzung der Bevölkerung bewirkt. Zudem hat sich das Migrationgeschehen sich im Gefolge von ökonomischen Ungleichheitsprozessen und Kriegen in den letzten Jahren erheblich dynamisiert. Laut UNHCR sind derzeit ca. 65 Millionen Menschen auf der Flucht. Damit hat sich diese Zahl in den letzten 10 Jahren beinahe verdoppelt; Phänomene wie die Klimaerwärmung könnten in Zukunft zu einem weiteren Anstieg führen. Dies alles macht die Frage der Integration zu einer dauerhaften gesellschaftlichen Aufgabe.

 

Weitgehend dem Migrationsgeschehen von 2015/2016 geschuldet, hat sich die Zahl der Menschen mit Migrationshintergrund in Bad Orb in diesem Zeitraum leicht erhöht.

2016 wiesen 12,80 % der Bevölkerung einen Migrationshintergrund auf, in Summe 1254 Menschen; davon befinden sich ca. 130 in Asylverfahren.

Auf das erhöhte Aufkommen Geflüchteter hat die Kommune mit der Einrichtung eines Integrationsbüro Asyl reagiert und ein Patenschaftsystem unterstützt, das sowohl eine relativ konfliktarme und räumlich nicht verdichtete Unterbringung beförderte als auch erste Schritte zur Integration möglich gemacht hat. Das „Familienzentrum in der Kinderinitiative“ hat ab Mai 2015 Sprachkurse angeboten, ein Flüchtlingschor wurde gegründet; andere Aktivitäten wie ein international ausgerichtetes Kochevent, haben diese positiven Anfänge von Integrationsarbeit begleitet.

Diese Ansätze gilt es zu stärken und insgesamt eine Perspektive zu befördern, Menschen mit Migrationshintergrund wie Geflüchtete als solche anzusehen, die bleiben und sich integrieren wollen.

 

Kinderinitiative in Bad Orb e. V.

 

Hausadresse:
Bahnhofstr. 3
63619 Bad Orb

Postanschrift:
Postfach 1445
63614 Bad Orb


 

Telefon: 06052/2812

Fax:       06052/ 919316 

e-Mail: ki@kinderinitiative-badorb.de

 

Sprechzeiten:
Montag - Donnerstag von 11:00 - 13:00
Uhr



Öffnungszeiten:

Kinder:
Montag bis Donnerstag 13:00 – 15:30 Uhr 
 
Jugendliche:
Montag bis Donnerstag 15:30 – 17:30 Uhr 
 
Offenes Angebot für Kinder (6-12 Jahre):
Freitag 14:00 – 17:00 Uhr

Bürozeiten: Dienstag bis Donnerstag 11:00 - 13:00 Uhr

 

 

Samstag: Familiencafé  15 -17Uhr 

(Einlass für Kinder in Begleitung von mind. einem Elternteil) 

 

 

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